5 Kernelemente, die für das Gelingen JEDER Therapie sinnvoll und hilfreich sind

Wir wissen, dass Menschen individuell sind. Genau so individuell sind ihre Probleme und die dazugehörigen Lösungen. Das macht Therapie nicht unbedingt einfacher. Trotzdem gibt es auch Elemente, bei jeder Therapie gleich bleiben.

Aus dem Grund habe ich 5 Kernaussagen formuliert, die Sie wie Wegweiser begleiten können. Und wenn Sie bis ganz zum Schluss dranbleiben, dann verrate ich Ihnen einen Bonus Tipp, der ganz zentral ist für Sie und Ihre Heilung ist.

Die 1. Kernaussage, welche ich Ihnen mitgeben möchte ist: Scheuen Sie sich nicht davor Verantwortung abzugeben. Ich habe bei meinen Klientinnen und Klienten oft beobachten können, dass in dem Moment, wo sie sich zum ersten Mal komplett fallen gelassen haben und nicht versucht haben tausend Bälle in der Luft zu halten, dass dann ein essentieller Schritt zur Heilung passieren konnte. Vor allem ist mir das bei der stationären Behandlung aufgefallen. Woher kommt das?
Es sind gerade Menschen die sehr leistungsorientiert sind und die früh gelernt haben, dass sie sich auf niemanden verlassen können, die irgendwann unter dieser starken Last zusammenzubrechen drohen. Im Volksmund nennt sich das Burnout.
Gerade bei Erkrankungen wie der high functioning depression sehen wir Menschen, deren ganze System eigentlich komplett überfordert ist, die maximal am Limit leben und handeln und trotzdem immer noch enorme Leistung bringen können. Das ist ein enormer Raubbau der sich früher oder später ganz übel rächen wird. Und gleichzeitig das krank machende Muster immer weiter und weiter und weiter bedient. Das bedeutet, es kann überhaupt nicht zur Heilung kommen, weil wir vor lauter Überaktivität überhaupt nicht mehr mitbekommen, das es da eigentlich ein Problem gibt dem man sich annehmen müsste. 
Und gerade ein stationärer Aufenthalt kann das ermöglichen, weil man zum ersten Mal nicht für alles verantwortlich ist. Weil man nicht von diesem zu jedem Arzt/Ärztin rennen muss und sich immer wieder einen neuen Therapeut/in suchen, weil es wieder nicht geklappt hat. Weil die Kräfte gebündelt an einem Ort sind und für einen gekocht und geputzt und Freizeitaktivitäten organisiert werden. Wenn Ihnen das als so mal eine Ärztin oder ein Arzt vorgeschlagen hat, dann denken sie wirklich darüber nach, weil es eine Chance sein kann.

 Als 2. Kernaussage möchte ich formulieren, gehen Sie Schritte auch wenn es dich gerade nicht danach anfühlt. Psychische Leiden bringen sehr oft Symptome hervor, dass wir unmotiviert sind, dass wir keine Hoffnung haben und dass uns Anstrengungen extrem belasten und überfordern können.

Da das aber Teil der Krankheit ist möchte ich Sie einladen, warten Sie nicht darauf bis es sich besser oder stimmig oder richtig anfühlt. Es kann gut sein, dass aufgrund ihrer Erkrankung es sich niemals gut oder richtig oder Sie sich ready fühlen. Aber nur wenn sie etwas unternehmen kann es sich besser anfühlen kann es sich bessern kann sich etwas verändern.
Ich möchte ihn nicht raten sich zu zwingen oder sich zu verbiegen. Denn das hat Ihnen Ihr Umfeld eben schon viel zu oft gewaltvoll angetan. Ich möchte Ihnen ans Herz legen einen Schritt zu gehen bevor sie 200% davon überzeugt sind dass Sie die Kraft dafür haben. Nutzen Sie den Schwung dieses Schrittes, als Anlauf für einen zweiten Schritt und dann den nächsten Schritt. Schauen Sie nicht auf den Berg, der sich vor Ihnen auftürmt und denken „um Himmels Willen, da muss ich hoch“, sondern dass Sie nur einen Schritt vor sich sehen.  Teilen Sie auch große Aktivitäten in ganz kleine Schritte auf und sich für jeden Mini schritt loben und belohnen Sie sich und irgendwann kommt auf dem Weg das gute Gefühl wieder zurück zu Ihnen.

Als 3. möchte ich Ihnen mit auf dem Weg geben: Wenn Ihnen eine Psychiaterin oder ein Psychiater ein Medikament vorschlägt und Ihnen sehr schlüssig erklären kann, weshalb Ihnen das jetzt helfen wird, dann nehmen Sie es und nehmen Sie es konsequent, auch wenn sie von irgendwo mal etwas Schlechtes über Psychopharmaka gehört haben sollten. Tatsächlich sind Psychopharmaka deutlich besser als ihr Ruf und haben sich in den letzten 10, 20, 50 Jahren extrem weiterentwickelt. Die sind wirksamer, schon bei niedrigeren Dosen und sie erzeugen viel weniger Nebenwirkungen als früher. Einige von ihnen aber, z.B. Antidepressiva, erfordern extrem viel Geduld. Weil aufgrund der Wirksubstanz eine ganze Weile erst genommen werden müssen, bevor sie anfangen zu wirken. Das kann bedeuten, dass Sie als allererstes eine Nebenwirkung spüren, bevor es Ihnen ein bisschen besser geht und Sie
etwas mehr Antrieb haben. Nehmen Sie es einfach stupide ein, wie Zähneputzen – integrieren Sie es in Ihren Arbeitsablauf und geben der Sache etwas Zeit, damit es wirklich die Chance hat bei ihnen etwas zu verändern.  

Als 4. Kernaussage möchte ich Ihnen mitgeben: Werden sie nicht müde und suchen Sie sich eine neue Therapeutin einen neuen Therapeuten, wenn der letzte nichts für sie war. Genauso wie es in der Familie, im Freundeskreis, bei der Arbeit Menschen gibt die einfach nicht zu Ihnen passen, so geschieht das leider auch im therapeutischen Setting. Wäre ja auch etwas komisch, wenn Sie alle Therapeutinnen und Therapeuten, die genauso individuell sind wie
sie, mögen würden. Und ich weiß, dass es nervig sein kann erneut den Telefonhörer in die Hand zu nehmen, und eine Liste durch zu telefonieren und immer wieder zu hören «ich habe erst in bis neun Monaten einen Termin für Sie und der zweite Termin ist drei bis vier Monate später». Das ist frustrierend, wenn sie jetzt gerade ein Problem haben und so lange warten müssen. Das ist wirklich ein Zustand, an dem unser Gesundheitssystem krankt.

Man stelle sich vor, Ich breche mir heute das Bein und muss sechs bis neun Monate warten, bis es vielleicht mal von irgendjemanden geröngt und angeschaut wird. Aber bei psychischen Gebrechen wird so getan, als ob das Ganze keine Eile benötige, schließlich leiden die Leute ja schon so lange daran. Und das stimmt, weil viele einen langen Weg hinter sich haben, bis sie überhaupt merken, dass etwas nicht in Ordnung ist und dann noch mal lange brauchen um
sich zu motivieren einen ersten Schritt zu gehen. Ich weiß, dass es Stress und Frust pur ist, wenn man dann bei jemand gelandet ist, der nicht zu einem passt. trotzdem Möchte ich sie motivieren: seien Sie sich so viel wert, dass Sie weitersuchen. Wenn sie sich den Menschen fürs Leben suchen, dann nehmen Sie ja auch nicht den oder die erstbeste. Suchen sie so zu sehen, des einige sind die auswählen und nicht dass sie aussortiert wurden. Das macht einen großen Unterschied für ihre Psyche. Und es wird die richtige oder den richtigen Therapeuten für sie geben, weil es so unendlich viele verschiedene Menschen gibt die diesen Beruf nachgehen. Es kann allerdings sein, dass sie ihn nicht in einer Praxis finden die mit der Krankenkasse abrechnen kann. Und dann überlegen Sie sich, ob es ihnen nicht wert ist in ihre eigene Gesundheit auch finanziell zu investieren. 

Als 5. Kernaussage möchte ich Ihnen mitgeben: Überfordern Sie sich nicht selbst. Gerade sehr leistungsorientierte Menschen die hohe Erwartung an sich selbst internalisiert haben, denn meistens kamen die ursprünglich von außen, setzen sich selber massiv unter Druck. Sie wollen Resultate in kurzer Zeit sehen. Und ich verstehe das total. man möchte ja nicht leiden und man möchte auch nicht lange leiden. Gleichzeitig tragen Sie ein großes Päckchen mit sich herum, das eben größer ist als das von Durchschnittsmenschen. Und genau wie sie diesen Ballast über viele Jahre angesammelt haben, sie nicht zu erwarten, dass sie in ein zwei Sitzungen alle ihre Probleme gelöst und abgeladen bekommen. Das wäre extrem schön wenn das so wäre aber das ist einfach nicht realistisch.
Je weniger Druck sie sich machen desto schneller werden sie heilen. Das mag für Sie wie ein Paradoxon klingen, es ist einer ihrer größten Stolpersteine, weil ihr Leben bisher einfach komplett anders funktioniert hat. 

Das waren meine fünf Kernaussagen und jetzt kommt mein Bonus für Sie. 
Wer lange krank ist der hat in der Regel kann auch fast gar nicht einen gesunden starken Selbstwert haben. Vielleicht hassen sie sich nicht unbedingt aber mögen tun sie sich nicht und sie sind auch nicht zufrieden mit sich. Immer wieder beobachte ich, wie meine Klientinnen und Klienten sich selbst mit extremer Härte durchs Leben Peitschen. Sie treiben sich mit einer Gewalt an, die sie keinem anderen Menschen oder Tier antun würden. Und damit haben sie
auch viele Erfolge erzielt. Sie haben sich durch Prüfung geprügelt und vielleicht in die Bikinifigur gehungert, mit Gewalt kann man extrem viel erreichen auch bei sich selber. Was sie damit aber nicht erreichen können ist Heilung und auch kein Wohlbefinden. Wenn sie wirklich Schritte gehen wollen und wenn sie wirklich Erfolge hin zur Heilung erzielen wollen, dann bleibt ihnen nichts anderes übrig, als mit sich selber Frieden zu schließen.
Ihr Körper ist keine Stolperfalle, die sie vom Erfolg abhält und einfach nicht so funktionieren will wie sie soll, sondern sie beide sitzen im gleichen Boot und haben das gleiche erdulden müssen über viele viele Jahre und vielleicht sogar Jahrzehnte.
Ihr Körper und ihre Psyche hat das Beste aus dieser schlechten Zeit gemacht und ist treu an ihrer Seite geblieben und es wird Zeit dass sie beides wieder zurück ins Boot holen und auch ein Meilenstein setzen wir haben zusammen das und das und das alles überlebt überstanden und wir haben verdient dass es uns jetzt wieder besser geht was brauchen wir dazu. Und allein so zu denken ist für manche Menschen komplett abstrus aber es ist ihr Weg zur Heilung bald kommen sie dann nicht hin. 
Deswegen: Heilung kann nur dann entstehen, wenn Sie sich selbst liebevoll begegnen, Das wünsche ich Ihnen.
 

Ihre 
Christina Benner